Die Statistik bringt es regelmäßig ans Licht der Öffentlichkeit – Die Deutschen sind zu fett

Alljährlich werden wir in der ersten Jahreshälfte mit Meldungen über statistische Untersuchungen zum Ernährungsverhalten, Gesundheit und daraus resultierenden Gewichtsproblemen konfrontiert. So auch in diesem Jahr, trotz oder gerade wegen Corona.

Das offensichtlich widersprüchlich erscheinende Fazit dieser Meldungen lautet: „Viele Deutsche sind übergewichtig, geben aber gleichzeitig an, sich gesund zu ernähren und weniger Fleisch essen zu wollen.“ So lassen sich auf das Wesentliche reduziert einschlägige Meldungen des Statistischen Bundesamtes und Analysen zum diesjährigen Ernährungsreport zusammenfassen, der auf einer repräsentativen Umfrage basiert.

Angaben zu Ernährung und Körperfülle sind häufig widersprüchlich

Nach Angaben vom Statistischen Bundesamt sind mehr als die Hälfte der Deutschen übergewichtig und davon knapp ein Drittel viel zu fett. Deutlich mehr Männer als Frauen haben mit dem Problem zu kämpfen. Wenn wir davon ausgehen, dass bei den wenigsten Menschen das Gewichtsproblem genetische Ursachen hat, muss es an der Ernährung liegen. Die Betroffenen essen also offensichtlich zu viel und obendrein auch noch das Falsche. Diese Erkenntnis spiegelt sich aber nur sehr bedingt im nationalen Ernährungsreport wider.

Von den 1000 befragten Personen geben etwa dreiviertel an, täglich Obst und Gemüse zu essen. Nur das verbleibende viertel isst täglich Wurst und Fleisch, Tendenz abnehmend, wohl auch als Folge der Corona-Krise und der abstoßenden Bilder aus Schlachtfabriken. Immerhin geben gut die Hälfte der Befragten an, ab und zu bewusst auf Fleisch und Wurst zu verzichten. Sie würden sich selbst als „Flexitarier“ bezeichnen. Wie immer bei solchen Erhebungen bleibt offen, ob die Antworten auf die Fragen der Gesundheitsforscher auch einem Realitätscheck Stand halten würden. Vor dem Hintergrund der vielen Übergewichten in unserem Land, scheinen sie bei so manchem Befragten wohl eher dem Wunsch als der Realität zu entsprechen. Das hat Folgen. Vor dem Hintergrund, dass die Einschätzung des eigenen Ernährungsverhaltens nicht gänzlich mit der eigenen Ernährungsrealität übereinzustimmen scheint, ist es wahrscheinlich, dass Apelle zur gesunden Ernährung ungehört verhallen können, da die Mehrheit ja glaubt, sich schon gesund zu ernähren. Erfolgreiche Kampanien zur Gewichtsreduktion müssten bei einem großen Teil der Bevölkerung zu aller erst das Bewusstsein für die Qualität bzw. die Nicht-Qualität der eigenen Ernährung stärken.

Da hat die Corona-Krise schon erfolgreich Vorarbeit geleistet. Denn zunehmend mehr Menschen geben an, in Zukunft öfters selbst zu kochen und sich mehr mit regionalen Produkten zu versorgen. Das kann ein wichtiger Schritt zu richtiger Ernährung sein. Denn erst wenn die Betroffenen erkennen, dass ihr Gewichtsproblem in der Regel nichts mit den Genen zu tun hat, sondern einfach der Tatsache geschuldet ist, dass zu viel vom Falschen gegessen wird, könnten Vorschläge zur Umstellung der Ernährungsgewohnheiten erfolgreich sein. Hier könnte die Corona-Krise einen Wendepunkt markieren.

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